B-15 Neue Impulse für Sachsens Schulen

Status:
Annahme

Der Landesparteitag möge beschließen und an die SPD-Landtagsfraktion weiterleiten:

Sachsen braucht einen Aufbruch im Bildungsressort im Allgemeinen, und an seinen Schulen im Besonderen. Der Frontalunterricht gehört wohl bereits in den allermeisten Schulen der Vergangenheit an. Ein*e Lehrer*in hat heute viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten und Freiheiten. Wichtig ist den meisten Pädagog*innen allerdings immer noch die Leistungsbewertung der Schüler*innen. Eine weitgehende Öffnung für reformpädagogische Ideen, wie z.B. Freinet, Jenaplan, Dewey, Diesterweg oder Montessori erfolgte bisher nicht.

In Schulen ist der Edukand, der*die Schüler*in weiterhin Objekt statt Subjekt. Diesen Umstand können und wollen wir nicht akzeptieren. Wir wollen eine Bildung und Erziehung zur Mündigkeit. Die Reformpädagogik bietet Wege, dies zu ermöglichen. Wir brauchen einen neuen pädagogischen Impuls für das sächsische Schulsystem. Dieses ist geprägt durch einen hohen Leistungsdruck, einen straffen Lehrplan, welcher nicht viele Freiräume lässt, und eine damit verbundene hohe soziale Selektion von Schüler*innen in den verschiedenen Schularten. Letzterem kann z.B. durch die Einführung von Gemeinschaftsschulen begegnet werden. Für die anderen genannten Problemfelder wird ein pädagogischer Impuls benötigt, der die Lehr- und Lernmethodik ändert und sich einem neuen Blick auf die Schüler*innen annimmt.

Wir fordern daher:

  • den Grundgedanken der freien Entfaltung mit den traditionellen Bildungsmaßstäben zu verknüpfen
  • eine Überarbeitung der Lehrpläne in Hinblick auf eine Verknüpfung mit reformpädagogischen Konzepten
  • eine Überarbeitung der Lehramtsausbildung; didaktische Konzepte sollen die Reformpädagogik stärker berücksichtigen
  • eine verstärkte Förderung von reformpädagogischen Schulkonzepten
  • die räumliche und materielle Ausstattung und Ausgestaltung des Ganztagsschulbetriebs
  • eine Förderung von Kooperationen der Schulen mit Kitas, Vereinen, Sportvereinen, Jugendzentren, Bildungsträgern und Initiativen zur Schaffung eines reichhaltigen und qualitativen Schulangebots sowie einen Abbau von bürokratischen Hürden, die solchen Kooperationen im Weg stehen könnten
  • eine Förderung von Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrer*innen über reformpädagogische Konzepte
  • Demokratisierung der Schule
  • Bildungsurlaub für Lehrer*innen, die sich innerhalb ihres Fachbereiches auf den aktuellen Stand bringen wollen und müssen
  • den Lohnabstand zwischen Lehrkräften an freien und staatlichen Schulen zu beenden

Alle diese Forderungen – welche hier nicht abschließend genannt werden können – setzen ein sozialdemokratisch geführtes Bildungsressort voraus. Zugleich braucht es für den Dialog mit den Sozialpartner*innen, Gewerkschaften, Verbänden und Personalvertretungen, um die bestmöglichsten Lösungsvarianten zu finden.

Begründung:
Wir arbeiten an einer Gesellschaft der Freien & Gleichen, der Überwindung des Patriachats sowie der kapitalistischen Gesellschaftsform. Bildungspolitik ist dazu ein Schlüsselelement. Schule unterliegt einer ständigen Entwicklung. Die Schulreformen der letzten Jahrzehnte haben ihre Spuren hinterlassen: Kinder werden gemeinsam unterrichtet, es gibt keine Fahnenapelle mehr und auch die Prügelstrafe ist Geschichte. Wir müssen einen Aufbruch in der Schulpädagogik wagen, die bisherige streng leistungsorientierte Schulform trägt nicht zur kritischen Bildung bei. Schüler*innen müssen im Schulkontext endlich als eigenständiges Subjekt, mit individuellen Bedürfnissen wahrgenommen und gefördert werden. Zwar ist in den letzten Jahren auch hinsichtlich der Lehramtsausbildung ein Umdenken vorhanden, ein genereller Umbruch ist jedoch nicht zu merken. Eine weitestgehende Öffnung der staatlichen Schulen hin zu reformpädagogischen Konzepten ebnet den Weg zur kritischen Bildung und modernen Unterrichtsformen. Dabei ist Reformpädagogik kein Allheilmittel, wir müssen auch weiterhin für einen hohen Stellenwert von Bildung kämpfen. Neben kleinen Klassen, ausfinanzierten Bildungseinrichtungen, entsprechendem Personalschlüssel und moderner Infrastruktur brauchen wir fachlich gut geschultes Personal, welches auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler*innen eingehen kann. Wenn Schulen aus sich heraus die Möglichkeit von verschieden pädagogischen Ansätzen bieten können, sind wir einen großen Schritt weiter.
Empfehlung der Antragskommission:
Diskussion durch den Parteitag
Beschluss: des Landesparteirats der SPD Sachsen 30. November 2018
Text des Beschlusses:

Sachsen braucht einen Aufbruch im Bildungsressort im Allgemeinen, und an seinen Schulen im Besonderen. Der Frontalunterricht gehört wohl bereits in den allermeisten Schulen der Vergangenheit an. Ein*e Lehrer*in hat heute viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten und Freiheiten. Wichtig ist den meisten Pädagog*innen allerdings immer noch die Leistungsbewertung der Schüler*innen. Eine weitgehende Öffnung für reformpädagogische Ideen, wie z.B. Freinet, Jenaplan, Dewey, Diesterweg oder Montessori erfolgte bisher nicht.

In Schulen ist der Edukand, der*die Schüler*in weiterhin Objekt statt Subjekt. Diesen Umstand können und wollen wir nicht akzeptieren. Wir wollen eine Bildung und Erziehung zur Mündigkeit. Die Reformpädagogik bietet Wege, dies zu ermöglichen. Wir brauchen einen neuen pädagogischen Impuls für das sächsische Schulsystem. Dieses ist geprägt durch einen hohen Leistungsdruck, einen straffen Lehrplan, welcher nicht viele Freiräume lässt, und eine damit verbundene hohe soziale Selektion von Schüler*innen in den verschiedenen Schularten. Letzterem kann z.B. durch die Einführung von Gemeinschaftsschulen begegnet werden. Für die anderen genannten Problemfelder wird ein pädagogischer Impuls benötigt, der die Lehr- und Lernmethodik ändert und sich einem neuen Blick auf die Schüler*innen annimmt.

Wir fordern daher:

  • den Grundgedanken der freien Entfaltung mit den traditionellen Bildungsmaßstäben zu verknüpfen
  • eine Überarbeitung der Lehrpläne in Hinblick auf eine Verknüpfung mit reformpädagogischen Konzepten
  • eine Überarbeitung der Lehramtsausbildung; didaktische Konzepte sollen die Reformpädagogik stärker berücksichtigen
  • eine verstärkte Förderung von reformpädagogischen Schulkonzepten
  • die räumliche und materielle Ausstattung und Ausgestaltung des Ganztagsschulbetriebs
  • eine Förderung von Kooperationen der Schulen mit Kitas, Vereinen, Sportvereinen, Jugendzentren, Bildungsträgern und Initiativen zur Schaffung eines reichhaltigen und qualitativen Schulangebots sowie einen Abbau von bürokratischen Hürden, die solchen Kooperationen im Weg stehen könnten
  • eine Förderung von Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrer*innen über reformpädagogische Konzepte
  • Demokratisierung der Schule
  • Bildungsurlaub für Lehrer*innen, die sich innerhalb ihres Fachbereiches auf den aktuellen Stand bringen wollen und müssen
  • den Lohnabstand zwischen Lehrkräften an freien und staatlichen Schulen zu beenden

Alle diese Forderungen – welche hier nicht abschließend genannt werden können – setzen ein sozialdemokratisch geführtes Bildungsressort voraus. Zugleich braucht es für den Dialog mit den Sozialpartner*innen, Gewerkschaften, Verbänden und Personalvertretungen, um die bestmöglichsten Lösungsvarianten zu finden.

Beschluss-PDF: