B-01 Medienkompetenz in der neuen Medienwelt stärken

Status:
Annahme

Der Landesparteitag möge beschließen:

  • Neben einer Überarbeitung der Lehrpläne gilt es festzuhalten, dass ein Verbot von Smartphones und/oder Tablets kein geeignetes Mittel ist, um Medienkompetenz zu erlangen und auszubauen.
  • Der Bildung von zeitgemäßer Medienkompetenz muss endlich in den Lehrplänen der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer eine wichtige Stellung und mehr Raum gegeben werden. Hierzu müssen digitale Medien verstärkt im Unterricht zur Sprache kommen.

Nie war es in Zeiten digitaler Medien wichtiger, die Medienkompetenz junger Menschen zu stärken. Immer häufiger treten neben traditionellen Nachrichtenmedien, wie Zeitungen und Fernsehen, neue Angebote, wie Blogs und Videoportale (z.B. YouTube). Die Unterscheidung seriöser und qualitativ hochwertiger journalistischer Angebote wird zunehmend schwieriger, zumal Filterblasen und social bots gesellschaftliche Stimmungen oft erst künstlich produzieren.  Aus vergangenen Wahlkämpfen rund um den Globus lässt sich immer deutlicher der große Einfluss von social media-Kampagnen aufzeigen. An die neuen Medienkonsument*innen, also zumeist jungen Leuten, werden demnach hohe Anforderungen bezüglich der Einschätzung von Nachrichteninformationen gestellt. Dieser Herausforderung nimmt sich politischer Unterricht und Medienbildung bisher zu wenig an. Zudem werden in Unterrichtsstunden zu Nachrichtenkompetenz noch mehrheitlich klassische Medienformate behandelt. Das geht an der Medienrealität und dem Nutzungsverhalten junger Menschen längst vorbei. So vertreiben sich Menschen in sozialen Netzwerken nicht nur ihre Freizeit, sondern nutzen sie intensiv als Plattform zur Sammlung politischer Informationen.

  • Das Thema „Nachrichtenkompetenz“ muss fest in der Lehraus-, fort- und weiterbildung berücksichtigt werden.

Zeitgemäße Medienbildung muss auch die neuen Medien in den Fokus nehmen, die Jugendliche nutzen. Das heißt nicht, dass Medienbildung neu erfunden werden muss. Die Mediennutzung ist mittlerweile vielfältiger, interaktiver und netzwerkförmig. Das heißt, Jugendliche bringen sich mehr in die Medienproduktion selbst ein – und sei es nur durch die Nutzung der Kommentarfunktion. Medienbildung muss aber auch hier aufklären, wie digitale Medienkanäle funktionieren und welche Geschäftsfelder dahinter stehen. Neben journalistische Angebote treten immer mehr public relations-Kampagnen. Eine gute Medienbildung vermittelt, warum der Anspruch eines journalistischen Blogs ein anderer ist, als der eines AfD-News Rooms oder der/des Regierungssprechers/sprecherin. Diese Aspekte müssen in der Lehrer*innenbildung berücksichtigt werden.

  • Es sind Medienprojekte im Kontext von politischer Bildung verstärkt zu fördern.

Das „W wie Werter“-Papier und das Medienkonzept des Sächsischen Ministeriums für Kultus (SMK) wollen die politische Bildung im Freistaat vorantreiben. Dass es aber im Bereich der Nachrichtenkompetenz viel aufzuholen gilt, findet in beiden Papieren kaum Beachtung. Zunächst muss also auf gesellschaftspolitischer Ebene ein Bewusstsein für den Zusammenhang von politischer Bildung und Medienkompetenz geschaffen werden. Die Landesregierung wird aufgerufen, Medienprojekte verstärkt zu fördern, die die Nachrichtenkompetenz mit neuen Medien thematisieren. Neben einzelnen Projekttagen und Workshops sollten auch langfristig angelegte Projekte mit Schüler*innen ermöglicht werden.

Die Neuaufstellung des Lehrplans für Gemeinschaftskunde/Recht/Wirtschaft (GRW) ist für die Stärkung der hier geforderten Medienkompetenz zu nutzen.

Begründung:
Laut Studie der TU Dresden[1] thematisiert nur ein geringer Teil der untersuchten Lehrbücher in den Fächern Gemeinschaftskunde, Ethik, Deutsch und Geschichte 'Neue Medien'. Hier wird zumeist der Inhalt fokussiert, nicht aber die Medienwirkung und das jeweilige Mediensystem. In den Lehrplänen des Freistaats Sachsen für Gemeinschaftskunde und Deutsch für das Gymnasium[2] werden nur die Medientypen audio-visuelle Medien und Printmedien, sprich Fernsehen und Zeitung angesprochen. Der Fokus liegt auch hier auf der Textanalyse. Schulbuchinhalte und die Lehrplanvorgaben greifen deutlich zu kurz[3]. Sie setzen noch auf klassisch-analoge Nachrichtenmedien. Dieser traditionelle Blickwinkel droht einer politischen Bildung Vorschub zu leisten, die an der Mediennutzung junger Menschen vorbeigeht. In der neuen Medienwelt verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen unabhängiger Schilderung und politischer Einflussnahme. Die Möglichkeiten die soziale Netzwerke zur Verschiebung der gesellschaftlichen Stimmung bieten, haben rechte Bewegungen und autoritäre Regime längst erkannt. Die Etats für Online-Wahlkämpfe steigen zunehmend, die freigiebigen Geldquellen von AfD und Donald Trumps Kampagne bleiben oft im Dunkeln. Selbstverständlich spielen auch klassische Medien hier noch immer eine wichtige Rolle. Auf die Vielfalt an Medienangeboten und Zunahme von public relations-Kampagnen muss eine gestärkte Medienbildung reagieren, will sie ihre Zielgruppe nicht verfehlen. [1]    Quelle: https://tu-dresden.de/gsw/phil/ifk/ressourcen/dateien/news/2017/PK-Praesentation_Ergebnisse-Projekt-nachrichtenkompetenz.pdf?lang=de [2]    Lehrplan GWR Gym: https://www.schule.sachsen.de/lpdb/web/downloads/1529_lp_gy_deutsch_2013.pdf ; Lehrplan Deutsch Gym:https://www.schule.sachsen.de/lpdb/web/downloads/1529_lp_gy_deutsch_2013.pdf [3]    Im Lehrplan Deutsch für Gymnasien ist immerhin von traditionellen und elektronischen Medien die Rede.
Empfehlung der Antragskommission:
Konsensliste
Änderungsanträge
Status Kürzel Zeile AntragstellerInnen Text PDF
Annahme ÄA1 zum B-01 6 KV Meißen Del. Thilo Klemz Zeile 6: Ergänzung: "... zur Sprache kommen und angewendet werden."   Zeile 35/36: neu: "Die Neuaufstellung der Lehrpläne für das Fachgebiet Politik (am Gymnasium GRW, an der Oberschule GK) ist für die Stärkung ...   Begründung: Die Antragsteller nehmen in ihrem Antragstext eine rein gymnasiale Perspektive ein. Der Bedarf für Veränderungen besteht jedoch ebenso an der Oberschule.   Änderungsantrag (PDF)
Beschluss: des Landesparteirats der SPD Sachsen 30. November 2018
Text des Beschlusses:
  • Neben einer Überarbeitung der Lehrpläne gilt es festzuhalten, dass ein Verbot von Smartphones und/oder Tablets kein geeignetes Mittel ist, um Medienkompetenz zu erlangen und auszubauen.
  • Der Bildung von zeitgemäßer Medienkompetenz muss endlich in den Lehrplänen der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer eine wichtige Stellung und mehr Raum gegeben werden. Hierzu müssen digitale Medien verstärkt im Unterricht zur Sprache kommen und angewendet werden.

Nie war es in Zeiten digitaler Medien wichtiger, die Medienkompetenz junger Menschen zu stärken. Immer häufiger treten neben traditionellen Nachrichtenmedien, wie Zeitungen und Fernsehen, neue Angebote, wie Blogs und Videoportale (z.B. YouTube). Die Unterscheidung seriöser und qualitativ hochwertiger journalistischer Angebote wird zunehmend schwieriger, zumal Filterblasen und social bots gesellschaftliche Stimmungen oft erst künstlich produzieren.  Aus vergangenen Wahlkämpfen rund um den Globus lässt sich immer deutlicher der große Einfluss von social media-Kampagnen aufzeigen. An die neuen Medienkonsument*innen, also zumeist jungen Leuten, werden demnach hohe Anforderungen bezüglich der Einschätzung von Nachrichteninformationen gestellt. Dieser Herausforderung nimmt sich politischer Unterricht und Medienbildung bisher zu wenig an. Zudem werden in Unterrichtsstunden zu Nachrichtenkompetenz noch mehrheitlich klassische Medienformate behandelt. Das geht an der Medienrealität und dem Nutzungsverhalten junger Menschen längst vorbei. So vertreiben sich Menschen in sozialen Netzwerken nicht nur ihre Freizeit, sondern nutzen sie intensiv als Plattform zur Sammlung politischer Informationen.

  • Das Thema „Nachrichtenkompetenz“ muss fest in der Lehraus-, fort- und weiterbildung berücksichtigt werden.

Zeitgemäße Medienbildung muss auch die neuen Medien in den Fokus nehmen, die Jugendliche nutzen. Das heißt nicht, dass Medienbildung neu erfunden werden muss. Die Mediennutzung ist mittlerweile vielfältiger, interaktiver und netzwerkförmig. Das heißt, Jugendliche bringen sich mehr in die Medienproduktion selbst ein – und sei es nur durch die Nutzung der Kommentarfunktion. Medienbildung muss aber auch hier aufklären, wie digitale Medienkanäle funktionieren und welche Geschäftsfelder dahinter stehen. Neben journalistische Angebote treten immer mehr public relations-Kampagnen. Eine gute Medienbildung vermittelt, warum der Anspruch eines journalistischen Blogs ein anderer ist, als der eines AfD-News Rooms oder der/des Regierungssprechers/sprecherin. Diese Aspekte müssen in der Lehrer*innenbildung berücksichtigt werden.

  • Es sind Medienprojekte im Kontext von politischer Bildung verstärkt zu fördern.

Das „W wie Werter“-Papier und das Medienkonzept des Sächsischen Ministeriums für Kultus (SMK) wollen die politische Bildung im Freistaat vorantreiben. Dass es aber im Bereich der Nachrichtenkompetenz viel aufzuholen gilt, findet in beiden Papieren kaum Beachtung. Zunächst muss also auf gesellschaftspolitischer Ebene ein Bewusstsein für den Zusammenhang von politischer Bildung und Medienkompetenz geschaffen werden. Die Landesregierung wird aufgerufen, Medienprojekte verstärkt zu fördern, die die Nachrichtenkompetenz mit neuen Medien thematisieren. Neben einzelnen Projekttagen und Workshops sollten auch langfristig angelegte Projekte mit Schüler*innen ermöglicht werden.

Die Neuaufstellung der Lehrpläne für das Fachgebiet Politik (am Gymnasium GRW, an der Oberschule GK) ist für die Stärkung der hier geforderten Medienkompetenz zu nutzen.

Beschluss-PDF: