BE-05 Gemeinsam länger lernen

Status:
Annahme

Die SPD Sachsen steht für die Einführung der Gemeinschaftsschule, die gemeinsames Lernen bis zur 10. Klasse ermöglicht.

 

Für uns ist klar, dass der Zugang zu Bildung ein wichtiger Schlüssel zu einer gerechten Gesellschaft ist. Staatliche Aufgabe ist es, nicht nur die entsprechende Infrastruktur und Personal bereit zu stellen, sondern zu sichern, dass jede und jeder Zugang zu den Bildungsangeboten erhält. Dieser Zugang ermöglicht unerlässliche Grundlagen für ein selbstbestimmtes Leben. Sozialdemokratische Bildungspolitik betrachtet den Menschen ganzheitlich – es geht nie nur um Lebensabschnitte, sondern um Persönlichkeitsbildung, Ausbildung und Weiterbildung in allen Lebenslagen.

 

Wir sind davon überzeugt, dass schon früh im Leben die Grundlagen für eine eigenverantwortliche Zukunft gelegt werden. Deswegen gilt es der frühkindlichen Bildung und der Schulzeit besonderes Augenmerk zu schenken. Es steht fest, dass Kinder am besten lernen, wenn sie ihre Neugier entfalten können und ihre individuellen Stärken gefördert und Schwächen begleitet werden. Der Drang zum Wissen und Lernen ist menschlich und muss durch die Bildungseinrichtungen gefördert werden. Schule muss Kindern und Jugendlichen den Raum bieten, sich die Kompetenzen, Fähigkeiten und das Wissen aneignen zu können, die sie benötigen, um ein selbstbestimmtes Mitglied der Gesellschaft zu werden. An vielen Stellen wird gegenwärtig deutlich, wie dringend wir als Gesellschaft und funktionierende Demokratie auf selbstsichere Demokrat*innen angewiesen sind.

 

Bildung lebt von Diversität. Schülerinnen und Schüler mit den unterschiedlichsten Interessen und Fähigkeiten profitieren voneinander. Für uns steht fest, dass längeres gemeinsames Lernen positive Effekte auf die Entwicklung der Leistungen und Kompetenzen aller Kinder hat. Es ist uns daher weiterhin ein Anliegen, die frühzeitige Selektierung im Schulsystem durch die Einführung einer Gemeinschaftsschule zu verhindern. Es gilt die Phase der Modellprojekte zu verlassen und verbindlich langes gemeinsames Lernen zu ermöglichen. Dabei ist für uns klar, dass eine Gemeinschaftsschule bis zur Klasse 10 inklusiv ist und als Ganztagsschule konzipiert wird, mit niedrigeren Klassenteilern sowie verstärkter Betreuung durch zusätzliches unterstützendes Personal. Sie bietet so den idealen Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung der Jugendlichen – egal ob sich berufliche oder akademische Bildung anschließen.

 

Den grundlegenden Wandel im sächsischen Bildungssystem werden wir nur gemeinsam mit Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrern erreichen. Aber auch Interessenvertretungen von Kommunen und Wirtschaft, die Gewerkschaften und Sozialverbände müssen vom Konzept überzeugt sein, damit zum Gelingen beigetragen wird. Der Dialog ist daher unerlässlich: Der intensiven Debatte, um Vorbehalte abzubauen und für ein langes gemeinsames Lernen zu werben, stellen wir uns gemeinsam.

 

Noch immer ziehen sich die Gegner*innen der Gemeinschaftsschule hinter dem Begriff der Begabung zurück, demzufolge jedem Kind bereits in der vierten Klasse ein quasi natürlicher Weg vorherbestimmt ist. Diese Sicht auf Schule und Gesellschaft entstammt dem Ständewesen des 19. Jahrhunderts und ist nicht mit dem Anspruch auf Chancengleichheit und demokratischer Bildung vereinbar. Jedem Kind sollte zu jeder Zeit alle Bildungs- und Zukunftswege offenbleiben. Das geht am besten in einer Schule für Alle.

 

Die SPD steht wie keine andere Partei für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Derzeit beklagen wir alle, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt schwindet und sich gesellschaftliche Gruppen gegenseitig nicht mehr wahrnehmen. Dadurch geht der Respekt voreinander verloren. Daher wollen wir der Spaltung der Kinder und Jugendlichen in jene, die es auf das Gymnasium schaffen, und jenen, die in den Oberschulen verbleiben, entgegenwirken. Die Gemeinschaftsschule bringt die verschiedensten Milieus zueinander und leistet damit einen Beitrag zu einer solidarischen Gesellschaft.

Beschluss: mehrheitlich angenommen
Beschluss-PDF: