WA-01 Forschung und Entwicklung zu und für die Digitalisierung – Mit HUBs und Kompetenzzentren Innovationen und Innovatoren voranbringen

Status:
Annahme

Der Landesparteitag der SPD Sachsen möge beschließen und an die SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, die SPD-Landesgruppe Sachsen im Deutschen Bundestag sowie die SPD-Staatsminister*innen weiterleiten:

 

Digitalisierung verändert die sächsische Wirtschaft und Arbeitswelt

 

In Sachsen hat sich seit einigen Jahren eine innovative und kreative Softwareindustrie entwickelt, die sich durch hohes Wachstum und eine stetig wachsende Zahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auszeichnet. Mindestens 24.000 Menschen arbeiten in diesem Bereich. Er stellt damit knapp Zweidrittel der IKT-Firmen in Sachsen und ca. 40% der dort Beschäftigten. Sie entwickeln innovative Apps, beraten Firmenkunden bei der Umsetzung von IT-Projekten, bieten Plattformen für Weiterbildung oder stellen Technologien zur Verfügung, mit denen Dienstleistungen in die Cloud verlagert werden können.

Dies verändert auch die Arbeitswelt und die Wettbewerbsbedingungen grundlegend.

 

Wir wollen ein Umfeld, in dem Unternehmensgründungen Alltag sind

 

Über unsere Gründerzentren mit entsprechenden Beratungsangeboten, eine breite Gründer- und Technologieförderung, hochschulnahe Gründerinitiativen, die zentrale Innovationsplattform futureSax oder Wettbewerbe wie den IQ Innovationspreis Mitteldeutschland oder den Sächsischen Staatspreis für Design wird dieses Umfeld bereits jetzt politisch befördert und finanziell unterstützt.

 

Sachsen ist zudem durch seine gut ausgebaute Hochschul- und Forschungslandschaft führend in vielen Wissenschaftsgebieten und entwickelt Spitzentechnologien. Mit Hubs und hochschulnahen Gründerzentren als Katalysatoren und Beschleuniger von Unternehmensgründungen wollen wir dieses Potential noch stärker als bisher heben. Hier kann Wissenstransfer aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen befördert werden und findet die Vernetzung von innovativen und risikobereiten Akteuren statt, die aus Ideen neue Produkten und Dienstleistungen für das digitale Zeitalter entstehen lassen.

 

Auf Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums und mit Unterstützung der Landesregierung sowie Kommunen ist in Chemnitz das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum entstanden und entsteht der „Smart Systems & Smart Infrastructure Hub“ in Dresden und Leipzig.

 

Das Smart Systems-Konzept in Dresden mit seiner Zielstellung „Enabling Internet of Things (IoT)“ bündelt Kompetenzen, um Innovationen im Bereich des Internets der Dinge auszubauen. Der Hub soll gezielt die Vernetzung mit großen Anwendern in- und außerhalb Sachsens anregen und die Sichtbarkeit von IoT-Schlüssel-Technologien, Produkten und Services (Smart Systems) erhöhen.

 

In Leipzig soll ein digitales Kompetenzzentrum für Energiewirtschaft und intelligente Städte („Smart Cities“) entstehen, dass die intelligente Vernetzung und Digitalisierung von Prozessen und Infrastruktur innerhalb einer Stadt erforscht und ausbaut.

 

Diese Strukturen gilt es nachhaltig zu stärken und durch das Land zu fördern, damit in Zusammenarbeit von Wirtschaft, Wissenschaft und Staat Zentren der Digitalisierung mit nationaler und internationaler Strahlkraft entstehen.

 

Wir brauchen mehr kreative Menschen, die vernetzt arbeiten

 

In Sachsen entwickelt sich inzwischen eine aktive Start-up-Szene, die an den Hochschulstandorten bereits gute Bedingungen vorfindet. Dazu gehören neue Formen von Zusammenarbeit wie Coworking-Spaces, Bar-Camps oder Gründerschmieden, in denen digitale Dienstleistungen, Werkzeuge wie Apps und Plattformen entwickelt werden. Hier ergreifen Gründerinnen und Gründer die Chancen der Digitalisierung und machen sie zugleich für breite Teile des unternehmerischen Mittelstandes zugänglich.

 

In diesem Bereich werden dringend Fachkräfte und angepasste Dienstleistungen gebraucht. Trotz der hohen Nachfrage gibt es aber auch hier Menschen, die als Soloselbstständige und Freiberuflerinnen am unteren Ende der Lohnskala stehen und ihren Lebensunterhalt nur bestreiten können, weil der Grad an Selbstausbeutung sehr hoch ist.

 

Wir wollen verhindern, dass diese Vorreiter der neuen vernetzten Arbeitswelt ihre Arbeitskraft und Dienstleistungen wie Tagelöhner im Netz für den günstigsten Preis anbieten müssen.

Wir wollen Netzwerke in den Regionen stärken und mit Beratung – wie aus dem Chemnitzer Mittelstandszentrum 4.0 – Unternehmen und Selbstständige besser bei Prozessen der Digitalisierung begleiten.

 

Wir wollen die Förderung von Innovatoren zielgenauerer stärken. Dazu sollen die neuen Förder-Programme InnoExpert und Transferassistent in allen Regionen zur Verfügung stehen und im Sinne eines erweiterten Innovationsbegriffes für weitere Zielgruppen geöffnet werden.

 

Soft- und Hardwareforschung als Basis der digitalen Wirtschaft

 

Sachsen hat im Bereich Digitalisierung, Hard- und Software bereits jetzt einzigartige Standortvorteile, wie z.B. eine hochmoderne Chip-Produktion, eine wachsende Softwarebranche oder eine dazu passende exzellente Forschungslandschaft.

An allen sächsischen Universitäten gibt es gut ausgebaute Institute für Informatik, die zum Teil bereits auf den Schnittstellen von Kommunikations-, Wirtschaftswissenschaften und Naturwissenschaften forschen und lehren. Damit wird auch der notwendige Nachwuchs für diesen Bereich in Sachsen ausgebildet.

 

Diese Vorteile wollen wir stärker nutzen. Mit der Gründung des DLR-Softwareforschungsinstitutes ist nicht nur ein Punkt des Koalitionsvertrages erfüllt worden. In Dresden wird mit 7,5 Millionen Euro Bundesförderung und dem strategischen Partner Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) als Trägerorganisation die angewandte Softwareforschung in der Luftfahrt vorangebracht. In Leipzig soll mit Unterstützung des Landes und in Zusammenarbeit mit außeruniversitären Partnern ein weiteres Zentrum entstehen, das den sicheren und wertbewussten Umgang mit Daten erforscht und die Erkenntnisse für das digitale Wirtschaften aufbereitet.

 

Darüber hinaus wollen wir Software-Entwickler in Sachsen besser unterstützen. Insbesondere Initiativen für und zu Open Educational Resources, zur touristischen oder musealen Erschließung von sächsischen Kultur- und Wissensbeständen wollen wir fördern. Dazu gehört auch die Pflege und Archivierung des audiovisuellen Erbes in der digitalen Welt.

Empfehlung der Antragskommission:
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Beschluss: mit Änderungen einstimmig angenommen
Beschluss-PDF: