B-14 Bereitstellung von Mitteln für die Einführung der Studiengänge Lehramt an Oberschulen und Lehramt an berufsbildenden Schulen an der TU Chemnitz im Doppelhaushalt 2019/20

Status:
Ablehnung

Die SPD Sachsen fordert die kurzfristige Einführung der Studiengänge Lehramt an Oberschulen und Lehramt an berufsbildenden Schulen an der TU Chemnitz. Dies ist eine dringend erforderliche Maßnahme zur nachhaltigen Beseitigung des Lehrermangels in der Region Südwestdachsen. Für die Ausgestaltung des Studienganges Lehramt an berufsbildenden Schulen sind Kooperationen mit anderen Hochschulen zu prüfen.

Mit dem nächsten Doppelhaushalt 2019/20 müssen die erforderlichen Finanzmittel für diese Studiengänge bereitgestellt werden. Die Ausstattung dieser Studiengänge darf nicht zu Lasten des Haushalts oder der Studienplatzkapazitäten an der TU Chemnitz und den übrigen beteiligten Hochschulen gehen.

Die Kapazitäten der genannten Studiengänge müssen sich am Bedarf der Region Südwestsachsen orientieren.

Begründung:
Das Engagement unserer Partei hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Grundschullehrer*innenausbildung an der TU Chemnitz verstetigt worden ist. Der angestrebte Modellstudiengang „Primarstufe Plus“[1], der vom Kultusministerium abgelehnt wird, konnte dabei aber bislang nicht umgesetzt werden. Daher fordern wir die kurzfristige Einrichtung eines Studienganges für das Oberschullehramt, wie er an den bereits bestehenden Ausbildungsstätten Leipzig und Dresden üblich ist. Denn die Region Südwestsachsen kann nicht länger warten. Nach wie vor ist der Lehrermangel neben anderen Regionen auch in Südwestsachsen dramatisch. Besonders prekär ist die Situation an den Oberschulen. Hier konnten landesweit zu Schuljahresbeginn von 269 offenen Stellen 125 nicht besetzt werden.[2] Von den 35 offenen Stellen an den Oberschulen in Chemnitz, Mittelsachsen und dem Erzgebirgskreis etwa waren zum Start des Schuljahres von 35 nur 9 vergeben.[3] Unter den neu eingestellten Lehrer*innen ist der Anteil an Seiteneinsteiger*innen weiterhin hoch. Dies darf keine Dauerlösung werden! Insbesondere die Schüler*innen der Oberschule werden so in ihrem schulischen und beruflichen Fortkommen beeinträchtigt. Eine Sozialdemokratie, die für gleiche Bildungschancen für alle Kinder eintritt, muss hier Handlungsbedarf sehen! Die jüngsten Maßnahmen zur Bekämpfung des Lehrermangels, gleich in welcher Schulart, können nur ein erster Schritt sein. Der erwartete Verbleib von mehr in Sachsen ausgebildeten Lehrkräften im Land durch Verbeamtung und bessere Bezahlung reicht nicht aus, eine gute Ausstattung der Schulen mit Lehrpersonal nachhaltig zu sichern. Denn es gilt nicht nur, den aktuellen Bedarf zu decken, sondern auch zukünftigem Lehrermangel zu begegnen. In den nächsten 10 Jahren werden 48%[4] der jetzigen Lehrer*innen altersbedingt aus dem Schuldienst ausscheiden – und dies bei weiterhin steigenden Schülerzahlen. Wir wissen alle, dass die Misere der sächsischen Bildungspolitik von der seit der Wiedervereinigung dominierenden CDU zu verantworten ist. Der Freistaat hat vor Jahren unter Führung der CDU die Weichen falsch gestellt und hat die Personalnot leichtfertig herbeigeführt. Wir werden jedoch bei der Landtagswahl 2019 für die Situation in Mithaftung genommen werden. Als SPD sind wir in der Regierungsverantwortung und dürfen uns nicht auf Kritik am Koalitionspartner beschränken. Wir müssen den Wählerinnen und Wählern in Sachsen jetzt glaubhafte und nachhaltige Perspektiven in der Bildungspolitik für die nächste Legislaturperiode anbieten. Eine Erweiterung und bessere örtliche Verteilung des Studienplatzangebots im Lehramtsbereich ist erforderlich. Denn Absolvent*innen eines Lehramtsstudiums bevorzugen erfahrungsgemäß eine Stelle an ihrem Studienort. Haben sie ihre Heimatregion einmal verlassen, kehren sie oft nicht mehr dorthin zurück. Daher ist die Ausweitung des Lehramtsstudiums an der TU Chemnitz ein wirksames Mittel, um dem Lehrermangel in der Region Südwestsachsen zu begegnen. Denn gerade die TU Chemnitz hat eine hohe Zahl von Einpendlern aus der Umgebung sowie von Studierenden, die zwar in Chemnitz wohnen, aber weiterhin eine sehr hohe Bindung an ihren Herkunftsort haben und z.B. das Wochenende regelmäßig dort verbringen. Noch stärker als bei den übrigen Lehrämtern wirkt sich die regionale Verwurzelung der Studieninteressierten beim Lehramt an berufsbildenden Schulen aus. Hierbei handelt es sich vielfach um Berufspraktiker*innen, die im Zweifelsfall lieber weiter ihren erlernten Beruf ausüben, als für eine berufliche Neuorientierung über Jahre hinweg ihren Lebensmittelpunkt an einen anderen Ort zu verlegen. Daher fordern wir auch hier die kurzfristige Einführung eines Lehramtsstudienganges für berufsbildende Schulen an der TU Chemnitz. Denn jedes Jahr, das vergeht, wirft uns weiter zurück. Unsere zukünftigen Fachkräfte brauchen eine gute Ausbildung! Wie bereits auf dem letzten Parteitag beschlossen, sollen bei der Einrichtung dieses Berufsschullehramtsstudienganges Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Hochschulen geprüft werden. Hierbei sind insbesondere an die Hochschule Mittweida und die Westsächsische Hochschule Zwickau zu denken. Bei einer solchen Kooperation könnte die Ausbildung in den Lehrfächern, in denen dies möglich ist, an einer Fachhochschule absolviert werden. Denn das anwendungsbezogene Studium an einer Fachhochschule kommt vielen Berufspraktiker*innen stärker entgegen als die eher forschungsorientierte Ausbildung an einer Universität. Erfahrungen mit solchen Kooperationen gibt es an der TU Chemnitz schon: So bieten die TU Chemnitz und die Hochschule Mittweida bereits gemeinsam den Studiengang „Energy Efficiency and Englishes“ an. Die gesamte Region Südwestsachsen profitiert von der Erweiterung des Studienangebots für Lehrämter an der TU Chemnitz – auch der ländliche Raum. Hier werden dringend Lehrer*innen benötigt, damit die Orte auch weiterhin für Familien attraktiv bleiben. Die Ausbildung von Lehrer*innen muss stärker regionalisiert werden, um sowohl den Bedürfnissen der Studierenden als auch denen der Menschen auf dem Land gerecht werden zu können. Von der Ausweitung des Studienplatzangebotes durch neue Lehramtsstudiengänge an der TU Chemnitz profitiert aber letztlich auch ganz Sachsen. Denn dann stehen insgesamt mehr Lehrer*innen zu Verfügung, was mehr Absolvent*innen dazu bewegen wird, sich auch außerhalb der großen Städte niederzulassen. [1] Die Stufenausbildung „Primarstufe Plus“ sieht ein Grundschullehramtsstudium mit Vertiefung eines Faches für die Sekundarstufe 1 vor. [2] Nachricht der Freien Presse vom 9.8.2018 [3] Bericht der Freien Presse vom 13.8.2018.
Empfehlung der Antragskommission:
Diskussion durch den Parteitag
Beschluss: des ordentlichen Landesparteitags der SPD Sachsen 27. / 28. Oktober 2018
Text des Beschlusses:

Ablehnung

Beschluss-PDF: